Go East

Go East - 11.07.-26.07.2003



Endlich gehts los!

Wir wollten in diesem Jahr einen stressfreien Urlaub erleben und haben uns deshalb entschlossen Fahrrad und Zug zu kombinieren.

Am Freitag, 11.07.2003 halb zehn ging es mit den Rädern (Sandra mit ihrem Giant und ich mit dem Schweizer Armeerad) zum Leipziger Hauptbahnhof. Gegen 11:00 ging es los, ein schönes Gefühl, endlich Urlaub, es war unfassbar. Wir sind mit dem Sachsenticket unterwegs und bezahlen 41 € für das Ticket und 6 € für die Fahrräder. In Dresden mussten wir umsteigen um nach Bad Schandau weiterfahren zu können. Vom Hochwasser war auf den ersten Blick gar nichts zu sehen. Ein Einheimischer in unserem Alter zeigte uns jedoch wo und wie hoch im Sommer 2002 das Wasser stand. Es war einfach unbegreiflich. In Bad Schandau angekommen genossen wir erst einmal die schönen Felsen der sächsischen Schweiz. Wir fuhren immer der Elbe entlang in Richtung Tschechien, unser heutiges Ziel sollte wahrscheinlich Decin sein.



Entlang der Elbe schlängelte sich ein geschwungener Radweg und man bemerkte den Grenzübertritt nicht weil da etwa ein Grenzposten war, sondern weil der Radweg schlagartig schlechter wurde. Hier sah man noch sehr deutlich die Folgen der Flut. Man konnte sehr gut sehen wie hoch das Wasser stand, denn die Bäume (sofern noch vorhanden) waren mit Müll und anderem Treibgut reichlich geschmückt. Die Piste wurde zu einer Buckelpiste, sie bestand aus sehr grobem Kopfsteinpflaster, so dass man jede Unebenheit in den Handgelenken spürte. Es war sehr ruhig entlang der Elbe, wir haben nur ganz wenige Radler getroffen, die meist nicht grüßten und auch nicht einmal nickten. Gegen 17:00 Uhr erreichten wir Decin, wir fuhren erst einmal zum Bahnhof um uns zu informieren, wann Züge nach Prag fahren. Am heutigen Tag hätte das nichts mehr gebracht und so sind wir eben in Decin geblieben und haben versucht einen Zeltplatz zu finden. Es gab auch mal einen, aber der wurde leider von den Fluten weggespült.
In einer kleinen Gaststätte aßen wir erst einmal typisch tschechische Gerichte. Sandra hat sich Gulasch und Knödel herausgesucht und ich habe mir ein Schnitzel mit Kartoffeln und Gemüse bestellt, ein tschechisches Bierchen gab es auch noch dazu. Anschließend haben wir einen Schlafplatz gesucht und da der Zug am nächsten Morgen schon 07:30 Uhr fuhr, wollten wir gar nicht so sehr weit aus der Stadt heraus. Relativ schnell war ein hoher Hügel gefunden, der nach dem quälenden Herausschniefen (schieben der voll bepackten Räder) gleich nach dem er von uns besiegt wurde mit einer schönen Aussicht über die gesamte Stadt entschädigte. Das Zelt war schnell aufgebaut und dann wurde noch etwas gelesen, danach ging es ins „Bett“, der Schlaf war auf Grund des hohen Geräuschpegels in der Stadt und auf Grund der Vorsicht (ich will nicht von Angst sprechen) vor Überfällen nicht sehr tief.

50 Kilometer Sonne


12.07.2003 Decin – Prag


06:00 wurden wir aus dem Schlaf gerissen, schnell etwas essen und das Zelt zusammenpacken und dann ab zum Bahnhof. Es ging nur bergab, unterwegs hielten wir noch an einem Lebensmittelladen und füllten unseren Proviant auf. Pünktlich um 07:30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, es muss noch erwähnt werden, dass man jeden Bahnsteig behindertengerecht mit einem Aufzug erreichen konnte, was uns die Qual ersparte, die schweren Räder treppauf und –ab zu hieven. In Prag (Praha) suchten wir zunächst einen Zeltplatz, wird fanden dann auch einen, der nicht so weit von Stadtzentrum entfernt war. Er war sehr klein und fast unbelegt, aber das sollte uns ja nur recht sein.




Mit der Straßenbahn fuhren wir am Nachmittag in die Stadt um uns schon ein wenig anzusehen (mit dem Rad geht das in tschechischen Städten sehr schlecht) und Sandra war gleich fasziniert von dieser Stadt, die Sie heute zum ersten mal in Ihrem Leben sah. Um 23:00 Uhr auf dem Zeltplatz zurück ließen wir uns gleich in die Daunen bzw. Hollowtechfasern fallen.

10 Km sonnig ca. 30°C




13.07.2003 Prag

Heute sahen wir uns alle (fast alle) Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Fast die gesamte Innenstadt Prags ist von der UNESCO als schützenswertes Denkmal und Weltkulturerbe aufgenommen worden. Vom Markt (Altstädter Rathaus) durch viele Gässchen zur Karlsbrücke, danach zum Hradschin, einem riesigen Burgareal. Das Herzstück dieses Burgareals ist der St. Veitsdom. Auf diesem Areal regiert auch der tschechische Präsident. Weitere markante Punkte waren die Georgsbasilika und das Goldene Gässchen, den alten jüdischen Friedhof konnten wir leider nicht besuchen, weil dort eine so große Schlange stand (Wartezeit 2 Stunden), das wunderschöne jüdische Viertel (Josefov), der Pulverturm





14.07.2003

Heute schauten wir uns bis zum Vormittag mit dem Fahrrad noch etwas die Stadt an und anschließend wollten wir die Stadt in Richtung Kutna Hora verlassen, was sich als schwieriger erwiesen hat, als wir dachten. Nach vielen Fragen und verschiedenen Antworten (bzw. Deutungen) haben wir einen älteren Herren getroffen der nahezu akzentfrei deutsch sprach. Er konnte uns alles sehr gut erklären und es hat auch alles in seiner Beschreibung gestimmt.
Im Cyklos Radreiseführer stand schon, dass die Straße NR. 333 sehr stark befahren sein soll, aber trotzdem wurden die Erwartungen im negativen Sinn noch übertroffen. Je mehr man sich von Prag entfernte, desto weniger Verkehr war unterwegs, aber desto hügeliger wurde es auch.




Um 17:00 Uhr sind wir auf einem abgelegenen Zeltplatz angekommen. Es waren viele Tschechen hier, die vor allem Autocamping machten.
Wir haben uns heute einen ganz schönen Sonnenbrand geholt, die Temperaturen lagen zwischen 30 und 35°C im Schatten und nur selten waren wir von Bäumen geschützt.





80 km sonnig, 33°C




15.07.2003

Sandra hatte heute Morgen ganz schönen Muskelkater in den Beinen und der Hintern tat Ihr auch weh.
Von Kutna Hora aus führten nur noch sehr kleine Straßen in alle möglichen Richtungen, da machte das fahren richtig Spaß. Es war wieder sehr hügelig, kaum ging es etwas bergab, konnte man schon damit rechnen, dass es gleich wieder rauf ging.




Nach 35 km kamen wir in Ledec´ an, dort entschieden wir uns etwas mit dem Zug weiter zu fahren nach Velké Mezi´ri´ci. Auch dort war der Zeltplatz leider geschlossen und so suchten wir uns auf einem Acker an einem Waldrand einen Schlafplatz.

45 km sonnig, 35°C




16.07.2003

Um 07:30 sind wir aufgestanden, damit wir zeitlich genügend Reserven hatten um von Velke´Mezirící nach Brno zu gelangen. Es war langsam schon selbstverständlich, dass es ständig bergauf und –ab ging.




Die Stadt Brünn (Brno) haben wir schon sehr lange gesehen, sie liegt in einem Tal, aber es hat sich bis zur Stadtgrenze noch ganz schön gezogen.
In der Stadt gibt es noch sehr wenige Radwege, aber schlimmer ist noch, dass es nicht mal abgesenkte Bordsteinkanten gibt, es macht also richtig Spaß mit einem voll bepackten Rad dort unterwegs zu sein.




Gegen 14:30 sind wir bei Tante Lida und Onkel Zdenek angekommen unterwegs Am Abend gab es dann Aprikosenknödel, hm, mein Leibgericht!

60 km sonnig, 35°C Sandra Vmax 51,5 Km/h




17.07.2003

Heute haben wir den ganzen Tag die Stadt besichtigt, die Burg Spielberk, die einst das härteste Gefängnis war, das Rathaus, das Kapuzinerkloster, verschiedene Kirchen usw. Wir waren aber auch froh, wieder in der Wohnung zu sein, weil die Temperaturen wieder einmal 35°C waren.




Eigentlich wollten wir am nächsten Tag weiter mit dem Rad in Richtung Polen weiterfahren, Lida und Zdenek riefen aber Freunde in Poprad (Hohe Tatra) an und fragten Sie, ob wir Sie für ein bis zwei Tage besuchen könnten. Jetzt steht es fest, wir fahren also von Brünn aus mit dem Zug bis nach Zilina und dann weiter mit dem Rad nach Poprad.

Sonnig 33°C




18.07.2003

Gleich nach dem Aufstehen habe ich die Zugtickets gekauft, dann haben wir gepackt und gefrühstückt und sind dann zum Bahnhof. Die Zugtickets haben 13€ inklusive Fahrradtransport gekostet und die Fahrt hat 5 Stunden gedauert. An der Grenze hat mit der Schaffner 10€ abgeknöpft, er erzählte immer etwas von Zoll usw. und nach vielleicht einer viertel Stunde hatte er mich weich geklopft und ich habe gezahlt.





Zilina ist das Tor zur Hohen Tatra, von hier aus soll es nun weiter gehen in Richtung Poprad, aber es wird langsam dunkel, so haben wir langsam nach einem Zeltplatz Ausschau gehalten und wurden nach 30 bergauf Kilometern in Martin auch fündig. 20:15 erreichten wir den Zeltplatz, die Damen an der Anmeldung sagten, dass wir uns beeilen sollten, wenn wir noch etwas zu essen haben wollten, denn ab 21:00 dürfe man kein Essen mehr bestellen und ab 22:00 Uhr sei geschlossen. Also beeilten wir uns zur Gaststätte zu kommen, stellten die Räder vor eben dieser ab uns schon kam ich mit Michel aus Luzern ins Gespräch, der mich gleich fragte, ob ich ein Schweizer sei, auf Grund meines Fahrrads. Ich verneinte und wir verabredeten uns nach dem Essen zu einem kleinen Treffen. In der Gaststätte trafen wir u. a. 2 Deutsche (Markus und Marko), die auch gerade auf dem Campingplatz angekommen sind und ebenfalls noch etwas zu essen wollten. Die Frauen in der Gaststätte gaben uns nur noch widerwillig etwas zu essen, obwohl noch anderthalb Stunden geöffnet war, aber zu viert konnten wir sie diskutierender Weise überzeugen. Es gab Knödel und Gulasch und es hat wie immer sehr gut geschmeckt.
Wohl genährt machten wir uns auf das Zelt zu errichten und wie es der Zufall so wollte, genau neben dem Zelt der Schweizer Monika und Michel. Wir trafen uns bei Ihnen im Zelt, weil es sehr groß war und es kamen auch noch Marko und Markus hinzu. Die Schweizer waren mit ihren Motorrädern für 3 Monate unterwegs, sie starteten in Luzern und waren dann schon in Italien, Kroatien und nun in der Slowakei. Für diese Reise haben beide ihre Anstellungen gekündigt. Marko und Markus wollten weiter nach Rumänien um dort mit ihren Bikes zu touren. Wir unterhielten uns über die verschiedensten Dinge und tranken dabei Wodka und Cafe Luz (das ist Kaffee mit einem Schuss Obstler) und waren alle recht guter Stimmung, es ging erst um 3 Uhr ins Bett.




19.07.2003

Wir hatten uns gestern Nacht noch mit den Schweizern in Krakau verabredet, denn wir hatten beide das gleiche Ziel und das ungefähr zur gleichen Zeit.

Konditionell habe ich das Gelage vom Vorabend etwas gemerkt, bei diesen Steigungen hatte man schon ganz schön zu pumpen. Auf der Straße war ganz schön viel Verkehr, aber eine andere zu wählen hätte nur noch größere Qualen bedeutet, denn fahren direkt neben einem Fluss, dem XXX und je weiter man davon weg kam um so steiler wurde es.




Am Beginn eines Stausees wurde die Straße plötzlich zur Autobahn, so konnten wir nur auf eine steilere Nebenstraße ausweichen. Das gab Sandra den Rest, seit Tagen hatte die Muskelkater und jetzt tat auch noch etwas das Knie weh, aber Sie hat es noch bis nach Jinalovsky Traoves auf einen sehr großen Zeltplatz geschafft und konnte dann endlich abmatten.

70 km sonnig und bewölkt (trotz Bewölkung Sonnenbrand)




20.07.2003

Die heutige Strecke konnte die gestrige an Steilheit noch toppen, dazu kam noch extreme Hitze. Die wunderschöne Landschaft und die Berge der Hohen Tatra entschädigen aber für alle Anstrengungen.








Gegen 17:00 kamen wir bei Aika & Pavol in Poprad (Zentrum der Hohen Tatra) an. Die Hohe Tatra ist das kleinste Hochgebirge Europas. Die beiden haben ein wunderschönes Haus mit Blick auf die Berge (z.B. den Gerlach). Pavol mit seinen schwarzen Locken sieht aus wie ein Zigeuner, er schlägt uns vor am morgigen Tag entweder auf den Gerlach oder Risy (2499m, oder ins slowakische Paradis (Slownski Raj) zu gehen. Wir entscheiden uns für das slowakische Paradies.