Alpencross

Gran Canaria/Teneriffa 18.-25.11.2001



Dienstag 20.11.01 1500 - 3250Hm, 34km, 2,22h

Heute sahen wir zum ersten Mal den El Teide in seiner ganzen majestätischen Größe. Riesig türmte er sich in der Ferne vor unseren Augen auf – wir saßen ab, um es in Ruhe auf uns wirken zu lassen, um uns nur die Natur, kein künstliches Geräusch trübte diese kraftvolle Atmosphäre.

Es waren nur der Berg, der Wald, das Säuseln des Windes, der sich mit einer himmlischen Ruhe abwechselte. Wir standen nur und staunten. Die Auffahrt wurde lang und länger, unsere Wasserreserven immer knapper – die ersten wirklich Bedürftigen verlangten schon nach unserer Notration mit Salamigeschmack. Kurze Zeit später fragte Thomas einen Busfahrer, der gerade eine Schar Touris nach oben karrte, um eine Flasche Wasser, die er uns auch liebenswürdigerweise übergab. Nachdem uns die Insassen noch mit einem freundlichen Winken überholten, ging es weiter. Die Vegetation wechselte in karge Felsformationen, und man konnte nun deutlich erkennen, dass wir uns in Gefilden vulkanischen Ursprungs befanden. In der Ferne ragte wie eine Zukunftsstadt das Planetarium vor uns auf. Unterschiedliche Erdschichtungen, entstanden durch die einschneidende Strasse ließen einen Blick in die farbenfrohe Vergangenheit dieser Gegend zu – ein Wechselspiel von gelb und schwarz.

Das Ziel war nun nicht mehr weit. Nach einer Stärkung in einem kleinen Ristorante (2100Hm) bei heißem Pfefferminztee, mit viel Zucker eine wahre Wonne, Sandwiches und Keksen gingen wir die letzten Meter an. Die für die Kanaren so typischen Hunde für die Kaninchenjagd, wovon der Name der Inseln auch herrührt, sahen wir zuvor ebenso wie kleine putzige Kanarienvögel, leider nur im Käfig gehalten. Wie schon vorher erwähnt, befanden wir uns im Nationalpark, was wir bei einem Versuch auf eine Aussichtsplattform mit dem Rad zu gelangen sofort zu bemerken bekamen. Ein Sicherheitsmann pfiff mich sofort zurück. Räder wurden also nur unmittelbar auf der Strasse erlaubt – alles andere war verboten, wobei Rad und Auto erstaunlicher Weise derselbe Stellenwert zugeordnet wurde.

Der letzte Abschnitt konnte dann nur noch zu Fuß begangen werden, der Entschluss unsere Räder unten stehen lassen fiel uns schwer, doch der Ruf des Gipfels war stärker als die Unsicherheit. Somit bewegten wir uns mal wieder seit langem auf 2 Beinen, und das Gefühl war gut so. In dieser Gegend wurde nicht umsonst einige Szenen aus „Der Planet der Affen“ gedreht. Unsere Bikeschuhe waren den jetzigen, besonders hohen Strapazen sehr gut gewachsen, auf Wegen voll Lavagestein, Schotter, Schlamm und später noch Schnee nicht unbedingt erwartbar. Riesige, schwarze Felsen, die der Vulkan in grauer Vorzeit aus seinem Inneren verworfen hatte, säumten nun unseren Weg. Nebelwolken kreuzten unseren Weg, ein ständiger Begleiter, die uns mit ihren Armen sanft umschlossen. Je näher dem Ziel vorrückend, desto schwerer fielen uns die Schritte. Mit vollstem Gepäck auf dem Rücken mussten mir aller 50Hm eine kurze Verschnaufpause einlegen und trotz der Kälte und des Windes rann uns der Schweiß in Strömen hinunter und der Puls begann zu rasen – das eigene Herz bis zum Hals schlagend. 2 Wanderer, die sich auf dem Rückweg befanden, überließen uns noch 2 Permiso(=Passierschein) – unabdingbar, wenn man direkt an den Krater wollte, da die örtlichen Zuständigkeiten nur ein bestimmtes Kontingent zur gleichen Zeit auf dem Gipfel zuließen. Unsere Herzen hüpften vor Freude, da uns nun alle Türen offen standen, und wir auch von dieser speziellen Erlaubnis zum ersten mal hörten. Endlich auf der Hütte Refugio de Altavista auf 3250Hm angekommen, erwartete uns auch schon heißer, gezuckerter Tee und ein mollig wärmendes Kaminfeuer. Raus aus den kalten, verschwitzten Klamotten, kroch die Wärme schnell in die unterkühlten Glieder. Das Glück schien uns gerade zu verfolgen. Kurze Zeit nach unserer Ankunft brach ein Regen- und Schneesturm los, und wir konnten dieses Naturschauspiel von Drinnen aus beobachten. Die nach uns ankommenden Wanderer konnten uns nur leid tun, klitschnass und zitternd betraten sie die Hütte, wobei einige zu dieser bereits späten Stunde sogar noch den Rückweg antreten mussten. Was uns etwas ins Grübeln brachte und unsere Mägen zum knurren, war unser etwas zu knapp bemessener Reiseproviant. Oben angelangt verfügten wir noch über ein Sandwich und ein Apfel für 2 Personen. Da das Reisegepäck nur auf jeweils einen Rucksack bemessen war, musste man auf jeglichen Komfort verzichten – und dazu gehörte auch teilweise alle unnötigen Nahrungsmittel, die uns nur zusätzlich belastet hätten. Doch in diesem Engpass halfen uns die anderen Mitbewohner der Hütte. Ein echter Globetrotter (Falk aus Leipzig-Schönefeld, der unter anderem durch laute Geräusche auffiel) ließ uns von seinem Schinken und Brot speisen, von einem Pärchen bekamen wir die restliche Nudeln und die 2 spanischen Hüttenverantwortlichen machten uns jeweils noch einen venezuelanischen Burger – ein Genuss. Bei Tee stellte sich gleich eine gemütliche Runde um das Kaminfeuer ein, welches bis in die späten Nachtstunden immer weitergenährt wurde, das Knacken des trockenen Holzes und leichte Qualmschwaden füllten den Raum aus.

Zu später Stunde entschloss sich einer der Spanier, noch eine Flasche Rum in die Runde zu geben, und dieses Angebot wurde dankend angenommen. Später dann beim Zähneputzen, Thomas der Unglückliche stand zu diesem Zeitpunkt direkt neben Falk und er konnte sich glücklich schätzen, dass er diese Unvorsicht, alle Warnungen hatte er zuvor in den Wind geschlagen, was man von Falk natürlich auch behaupten konnte, nicht mit seinem Leben bezahlen musste. Er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt noch etwas geschützt aber auch direkt angrenzend auf der Toilette. Auf einmal ging das Grollen los. Höchstwahrscheinlich hatte Falk etwas falsches zu sich genommen, er begann zu furzen das es den Klodeckel mit mir zusammen nach oben hob, die Wände wackelten, und man musste wirklich das schlimmste befürchten. Das tosende Gebrüll wollte ganz und gar nicht enden, setzte sich eher kaskadenartig fort, und man dachte, das man eher neben einer Kanone stünde als neben einem Menschen. Als diese nächtliche Ruhestörung ein Ende hatte, entschuldigte sich Falk kurz und verließ den Raum. Auf unseren bisherigen Touren an so einiges von uns selbst gewohnt, standen bzw. saßen wir wie vom Donner getroffen. Dies stellte alles bisher da gewesene in den Schatten. Allerdings hätten wir es uns denken müssen, spätestens als er uns von seinen Hämorriden erzählte, hätte uns ein Licht aufgehen müssen, nein die Alarmglocken hätten schellen müssen. Die Schlafstube war unbeheizt und dementsprechend kalt, doch in den dicken Federbetten stellte sich schnell eine wohlige Wärme ein. So rechter Schlaf wollte sich trotz der Erschöpfung dennoch nicht einstellen. Grund war wahrscheinlich die für unsere Körper ungewohnte Höhe.