Alpencross

Gran Canaria/Teneriffa 18.-25.11.2001



Samstag, 24.11.01 hoch: 850, runter: 830, 43 km

Kurz nach dem Aufstehen bekamen wir wieder die Herzlichkeit der Menschen zu spüren. Eine Frau mittleren Alters trat an unsere Schlafstelle, in den Händen 2 Becher heißer Schokolade. Sie hatte uns wahrscheinlich am morgen noch schlafend gesehen und müssen bei ihr großes Mitleid erregt haben. Vielleicht liegt es aber auch ganz einfach in der Natur dieser Menschen – könnten wir uns so etwas in Deutschland vorstellen? Wir bedankten uns recht herzlich und bekamen zum Abschied noch ein Lächeln geschenkt, besser kann der Tag nicht starten. Im morgendlichen Licht sah die Gegend auch nicht mehr so trostlos aus, wie wir sie gestern vorfanden. Die Sonne strahlte ihre Wärme aus, und auf der gegenüberliegenden Seite präsentierte sich uns die Wohnhäuser am Hang in den schillerndsten Farben. Gefrühstückt wurde wieder mal an einer Kirche, nachdem wir in einer riesigen Markthalle einkaufen waren. Thomas unterhielt sich ,während ich die Sachen einholte, mit einem Einheimischen, der sein ganzes Leben noch nicht außerhalb der Kanaren war. Unser heutiges Ziel ein alter Krater, der Calderra de Bandamo. Mit Hilfe eines Rennradfahrers, der uns freundlicherweise ein Stück begleitete und uns dabei den Weg wies, war er schnell erreicht und lag zu unseren Füßen. Weiter ging es nach Telde, wo wir erst einmal Mal zur Ruhe kamen – die Mittagshitze war sehr drückend. Bei einem Kilo Datteln lungerten wir an einem Springbrunnen vor der Markthalle herum und streckten einfach mal die Beine aus, das geschäftige Treiben der Käufer und Händler beobachtend. Die müden Füße in den Brunnen haltend, welch eine Erfrischung! Wie lernten noch eine junge Russin kennen, die wohl seit 8 Jahren auf den Kanaren lebt, wobei uns unser altes Schulrussisch etwas weiterhalf, mein Gott, es ist nicht mehr viel davon übriggeblieben. Sie war für ein christliches Gemeindehaus tätig und gerade dabei, für die dort zu versorgenden Kinder Nahrungsmittel einzuholen, was wahrscheinlich aus den nicht verkauften Produkten der Händler bestand. Wir beide halfen beim Verladen der schweren Kisten mit.

Bis zum Strand war es nun auch nicht mehr weit, das Wetter lud nun gerade dazu ein. Riesige Wellen türmten sich vor uns auf, zerbrachen tosend an den Klippen. Wir streiften unsere Kleider ab, rannten über den schwarzen, vulkanischen Sandstrand und stürzten uns in die Fluten. Herrlich, endlich mal wieder den alten Schweiß von der Haut abspülen zu lassen. Es war die rote Flagge gehisst, ideale Bedingungen für Brettsurver, immer auf die Welle wartend. Schnell war es allerdings vorbei mit dem warmen Wetterchen, dunkle Wolken zogen auf, die kurze Zeit später ihre Last über uns ergießen sollte. Unter einem Sonnenschirm warteten wir den kurzen Schauer ab, und machten weiter. An unseren letzen Abend gönnten wir uns noch mal ein ordentliches Essen in einem typisch kanarischem Fischrestaurant. Der Ober präsentierte uns die frische Ware und versicherte, dass sich der Fisch gestern noch quicklebendig im Wasser tummelte. Zusätzlich bekamen wir Gofio, die traditionell aufgenommen Nahrung der Kanarer, eine Art gewürzten Maisbrei. Thomas Augen waren wie so oft wieder mal größer als sein Magen, so dass ich mich wieder für ihn aufopferte. Das ist halt wahre Freundschaft! Mit prall gefüllten Bäuchen saßen wir an der mittlerweile in das Dunkel der Nacht getauchten Strandpromenade. Erst zu dieser Zeit spielt sich das Leben der Einheimischen ab. In Cafés sitzend, auf der Straße stehend miteinander plaudernd, am Strand spazieren gehen, so sehen die abendlichen Stunden hier aus.

Wir entschlossen uns heute gar nicht lange nach einem Schlafplatz umzuschauen, nahmen gleich den Strand unter ein paar Bäumen. Mitten in der Nacht dann jedoch ein Wolkenbruch, wir nur mit Schlafsäcken unter kleinen Bäumchen und freiem Himmel liegend. Schnell war die Plane gespannt und hing knapp 30 cm über unseren Köpfen. Gut, dass wir sie mitgenommen hatten, sorgte sie wieder mal für ruhigen und vor allem trockenen Schlaf.