Alpencross

Gran Canaria/Teneriffa 18.-25.11.2001



Freitag, 23.11.01 hoch: 926Hm, runter: 1406Hm, 89km, 5h18min, Durchschnitt 16,7km/h

Im Formationsflug ging es hinunter nach Santa Cruz, gefangen im Wechselspiel der Kurven und der Fliehkräfte. Wieder einmal mussten wir feststellten, wie wichtig die Aussprache der einzelnen span. Wörter ist. Immer nach dem Ort Puerto Santa Cruz fragend, wie wollten zum Hafen der Stadt Santa Cruz, bemerkten wir nach einer Weile, dass uns die Einheimischen immer wieder aus der Stadt rausdelegierten. Bis wir realisierten, dass dies eine separate Stadt war, 30 km im NW liegend, ist eine lange Zeit und viele unnötige Kilometer vergangen. Bei der Durchfahrt der Stadt bemerkten wir auf dem Bürgersteig einen rennenden Mann, dünner, ja fast zierlicher Natur. Seine ärmliche, verschmutze Kleidung und sein bärtiges Gesicht waren offensichtlich. Er schien ziemlich aufgeregt zu sein, das angsteinflößende: er hielt in der rechten Hand eine Pistole und wie gesagt, der Typ war ziemlich angespannt. Wir verlangsamten unser Tempo, mit gehörigem Respekt radelten wir ein paar Meter hinter ihm her, gespannt, wie es wohl ausgeht. Auch die Passanten machten einen teilweise verstörten Eindruck. Alles in allem endete es dann so, dass der Kerl wohl in seiner Persönlichkeitsentwicklung ein paar Jahre hinterher war und einfach nur aus Spaß mit einer Kinderpistole durch die Strassen rannte. Endlich im Hafen angekommen, setzten wir mit der nächsten Fähre nach Las Palmas auf Gran Canaria über. Der Wellengang war dieses Mal wesentlich intensiver, und die katarmaranähnliche Fähre hatte einige Mühe ihre Stabilität zu halten. Am späten Nachmittag angekommen wollten wir sofort das Zentrum aufsuchen und eine Mahlzeit zu uns nehmen. Diesmal hatte ich das Pech mit einem Platten(3:1), doch die nächste Tankstelle war nicht weit. „Schnell geflickt“, dachten wir, doch aus dem einen Platten wurde ein echter Flickmarathon. Der Reifen ließ sofort nach der ersten Reparatur wieder Luft, nachdem schon alles wieder montiert war. Alles wieder von vorne beginnend war auch das 2. Loch(3:2) schnell gestopft, und die Fahrt konnte eigentlich weiter gehen. Nach 100m ließ der Reifen wieder Luft, oder immer noch? In der selben Straße, wir hatten Glück im Unglück, ein Fahrradgeschäft, doch leider keine Schläuche mit französischem Sportventil. Also wir wieder zurück zur Tanke, vielleicht konnte man doch noch mal was richten. Der Mantel erwies sich als dicht, evtl. hatte nur das Ventil den zu hohen Druck nicht standgehalten, doch die Luft hielt dieses Mal im Schlauch, nur noch schnell einbauen, und dann endlich weiter. Unsere 2-Mann-Stoppstrategie erwies sich bis dahin immer als sehr effizient, einer am Schlauch die Pumpe ans Ventil drückend, der andere bediente die automatische Pumpstation. So weit, so gut. Alles war vorbereitet, ich mit der Pumpe am Ventil, Thomas am Druckschalter. Die ersten Luftstöße drangen in den Schlauch, ich sah mit weit aufgerissenen Augen diesen zwischen Mantel und Felge einkeilen, die Luftblase nahm mit rasendem Tempo an Größe zu, mein Schrei blieb mir in der Kehle stecken, da war es auch schon geschehen. Mit einem ohrenbetäubenden Knall flog mir der Pneu in tausend Fetzen um die Ohren. Erst erschrocken, dann in einen Lachanfall übergehend, konnten wir noch über unsere eigenen Missgeschicke lachen, in der Pannenstatistik war ich nun mit Thomas gleichgezogen 3:3- ich jubelte, Gleichstand. Thomas fuhr los, sich auf die Suche nach einem anderen Fahrradgeschäft machend. Der neue Schlauch war schnell besorgt und ohne Zwischenfälle eingebaut, es konnte weitergehen. Wir zogen in eine Pizzeria ein, wo wir für mehrere Stunden, bei einigen Bierchen und Zigarillos, versackten.

Die Suche nach einem Schlafplatz erwies sich in einer Großstadt wie dieser als hoffnungslos. Erst wurde Thomas noch von einem Wachmann verfolgt, bei dem Versuch, in einem etwas ruhigerem erscheinenden Gebäude nach einem Platz Ausschau zu halten. So fuhren wir etwas ziellos in der Stadt umher und trafen dann in einem Park auf eine große Menschenansammlung vor eine Bühne. Hier hatten sich Chöre von verschiedenen Universitäten aus ganz Europa zu einem Contest zusammengefunden, um hier vor öffentlichem Publikum ihre Gesänge und Tänze aufzuführen. Alle Aufführenden trugen bunte mittelalterliche Kleider, und während eines Auftritts schwang einer der Sänger im Hintergrund mit wilden Bewegungen eine Fahne mit dem jeweiligen Logo der Uni. Leider waren wir etwas spät dran, die Veranstaltung neigte sich schon bald dem Ende. Eine Gruppe hatten wir noch zu sehen bekommen: sie fiel vor allem durch ihre Art der Vortragung auf, die sie mit einer Art Platteln, nur wesentlich intensiver und kurioser, untermalte. Dann war leider finito. Wir hatten immer noch nichts zum Schlafen gefunden, es war kurz nach 12 – wir fuhren durch leere, einsame Straßen. Auf einem Bürgersteig kam da ein ärmlich aussehender Mann daher, und wir bedauerten es sehr (ein Bett im Kornfeld wäre schön gewesen).... . Jedenfalls sah er uns sofort an, dass wir Ausländer waren, und warnte uns mit eindringlicher Worten keinstenfalls weiter hier in der Gegend aufzuhalten, und schon gar nicht weiter nach links bzw. geradeaus weiterzufahren. Die Gegend soll berüchtigt für ihre viele Verbrechen sein, Gewalt und Überfälle an der Tagesordnung. Er erhielt für diesen Tipp nach seiner Frage die von ihm gewünschten 100 Pes. (=1,25DM) für die Busfahrt. Bereits an der nächsten Kreuzung nun rechts abbiegend, sahen wir 20m weiter mehrere Polizeiwagen mit Blaulicht und davor 4 Jugendliche in Handschellen stehend. Weiter ging es vorbei an Autos mit eingeschlagenen Scheiben, und etwas unwohl fühlten wir uns wohl beide in unserer Haut. Hinzu kam noch der Regen, der mit großer Heftigkeit einsetzte. Etwas außerhalb der Stadt, wir waren in einer Art Vordorf angekommen (San Roque), suchten wir nach einer überdachten, trockenen Stelle. Eine Art überdachte Bushaltestelle schien uns ideal, doch beim 2. Vorbeifahren saßen dort 2 Jugendliche, die wohl auf jemanden warteten. Wir gingen das Risiko ein und sprachen sie an. Sie waren uns sehr freundlich gesinnt, wollten auf eine Party und waren gut unterwegs. Wir schlossen schnell Freundschaft, versuchten uns mit Händen und Füßen zu verständigen. Vivi (ausgesprochen Ouioui) der Blonde, etwas kleinere von beiden zeigte uns schon nach kurzer Zeit seinen muskelbepackten Oberkörper auf den er sehr stolz zu sein schien, denn kurz darauf zeigte er ihn uns zum zweiten Mal. Auf seine Narben ansprechend, erzählte er uns von Messerstechereien, Schlägereien und Bissverletzungen. Wir schätzten uns glücklich diese beiden in einer solchen Gegend kennen gelernt zu haben. Raimon, der braunhaarige, größere von beiden, der auch den etwas intelligenteren Eindruck machte - er konnte zumindest etwas Englisch – versuchte ein paar deutsche Wörter aus unserem Wörterbuch zu lesen, was auch mit etwas sprachlicher Unterstützung unsererseits auch ganz gut gelang. Seine Eltern kamen mit dem Auto die Straße hoch, und er begrüßte sie auch sogleich auf deutsch. Ein Kollege von beiden mit nem Motorroller gesellte sich dazu und verschwand nach einem kurzen Plausch gleich wieder, Vivi machte nur eine Handbewegung, mit der er einen Fixer darstellte. Die beiden warteten also auf des einen Bruder, der mit einem Joint zwischen den Lippen dann endlich erschien. Das offene Taschenmesser an einer Kordel am Hosenbund baumelnd, kam er dahergeschlendert, und bot uns gleich vom Joint an. Nach herziger Verabschiedung fuhren sie kurze Zeit später mit dem Auto. Vivi machte noch uns noch darauf aufmerksam immer mit einem Auge wach zu bleiben. Kurzum: wir hatten ein richtig gemütliches Plätzchen gefunden. Wir schlugen unser Lager auf, nachdem wir die Plane zum Schutz gegen die umherliegende Rotze ausgebreitet hatten. Die Räder wurden doppelt angeschlossen, sie Rucksäcke mit den Schlafsäcken verbunden. Die Nacht verlief ganz ruhig, abgesehen von 2 kreischenden Katzen, die uns damit aber sofort einen riesen Schrecken versetzt hatten. Kreidebleich standen wir in den „Betten“.