Baikal

Jörgs Radreise von Leipzig zum Baikalsee und weiter

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Jörgs E-Mail-Adresse: j.dahlke (at) gmx.de

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Tips für Radtour in Rußland

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Erfahrungen mit Schweizer Militärvelo

1 Fahreigenschaften

Wenn man an das Gewicht des Rades mit seinen 23 kg denkt, stellt man sich immer vor, daß es eine ungeheure Qual sein muß, damit zu fahren. Zumal es auch nur einen einzigen Gang besitzt. Dies ist jedoch bei weitem nicht so, und jeder, der schon selbst einmal auf dem Sattel des Schweizer Armeerades gesessen hat, wird dies bestätigen. Zwar ist die Beschleunigung nicht wie bei einem leichteren Rad, doch wenn es einmal rollt, tritt es sich wie von selbst. Es versteht sich von selbst, daß Geschwindigkeiten wie bei Mountainbike oder gar Rennrad über längere Strecken nicht zu erzielen sind. Es ist eher ein Fortbewegungsmittel der langsameren Art, aus Zeiten, die noch nicht so hektisch und betriebsam wie die heutigen waren. Diese Langsamkeit ist bei weitem kein Nachteil, hat man doch so mehr Raum, um die Umgebung mit seinen Sinnen zu erfahren. Zudem sorgen der weiche Ledersattel und die relativ aufrechte Sitzposition für einen angenehmen Fahrkomfort.

Das Ritzel am Hinterrad ist so konstruiert, daß sowohl recht zügig gefahren werden kann, als auch flachere Steigungen bewältigt werden können. Bei steileren Anstiegen muß entweder geschoben werden, was von Zeit zu Zeit ja auch mal ganz erholsam sein kann, da dadurch andere Muskelgruppen beansprucht werden und man somit gleichzeitig einen Erholungseffekt hat. Außerdem hat man mal Zeit, den Kopf zu heben und sich in Ruhe die Landschaft anzusehen. Hat man ein längeres bergiges Gebiet oder unebene Streckenabschnitte vor sich, bietet es sich an, das Standardritzel gegen ein kleineres auszutauschen. Dieses Ritzel kann jedoch nur vom Fachmann für Schweizer Armeeräder bezogen werden, da herkömmliche Ritzel nicht passen.

Fahren auf unbefestigten Wegen: Im Schlamm ist es überaus mühsam, sich mit diesem Rad fortzubewegen. Er setzt sich vor allem zwischen Reifen und Schutzblechen fest. Die Stempelbremse blockiert dann auch das Vorderrad sehr schnell, so daß man aller paar Meter damit beschäftigt ist, den Schlamm mit einem Löffel o.ä. zu entfernen. In diesem Fall ist ein Mountainbike ohne Schutzbleche klar von Vorteil.

2 Verschleiß

Auf der knapp 15.000 km langen Fahrt wurde die Kette nur einmal gewechselt. Ritzel und Kettenblatt dagegen befinden sich immer noch in sehr gutem Zustand und sind dieselben, wie bei Antritt der Fahrt. In dieser Hinsicht ist das Rad ein echtes Langlebigkeitsprodukt. Zum Ende traten ein paar Probleme mit dem Kugellager des Hinterrads auf. Zudem traten immer wieder Probleme mit Trommelbremse und Bowdenzug auf, was aber teils durch Unwissenheit bedingt war.

Insgesamt zerschlissen fünf Reifen, davon drei Maloja, von denen einer allerdings schon nach 300 km am Ende war. In Irkutsk wechselte ich die Originalfelgen gegen Moutainbike-Felgen aus und konnte mit erhältlichen Reifen weiterfahren. Somit wurden noch ein Mountainbike-Reifen und ein bereits gebrauchter Mountainbike-Reifen verbraucht. Die Mountainbike-Reifen, die immer noch drauf sind, müssen bald ausgetauscht werden, so daß man insgesamt von sieben zerschlissenen Reifen sprechen kann.

Insgesamt waren um die 20 Platten, eher etwas mehr, und 16 Speichenbrüche zu verzeichnen.

Der mit der Zeit porös gewordene Gummischlauch der Original-Fahrradpumpe riß mehrere Male, konnte aber immer wieder repariert werden. Zudem rostete die Rahmenhalterung aus Metall für die Radpumpe durch und war somit nicht mehr funktionstüchtig. Ansonsten hat das Rad, abgesehen von Lackbeschädigungen am Rahmen, die Tour erstaunlicherweise gut überstanden und ist nach ein paar kleineren Reparaturen wieder voll einsetzbar für weitere Aufgaben, die da kommen werden.

Eine weitere Auswertung über Verschleiß der einzelnen Teile folgt nach Inspektion beim Fachmann in der Schweiz. Siehe auch unter Abschnitt 4.

3 Lenker

Falls der Bereich am Lenker neben den Griffen mit Lenkerband abgeklebt wurde, kann man erstens seine Hände auch mal anders positionieren, zum anderen hat man weniger Probleme mit verschwitzten Händen. Auch ist der Lenker beim Aufbocken vor Zerkratzen besser geschützt.

4 Reifen, Felgen und Schläuche

Die Laufleistung des original Maloja-Reifens kann sehr unterschiedlich sein. Bei guter Qualität sind maximal 8000 km drin, allerdings kam es auch vor, daß ein ungebrauchter auch schon nach knapp 300 km verschlissen war. Hauptproblem war sehr oft, daß sich die Stelle, an der der Reifen nach innen umschlägt, an der Felge aufrieb, so daß zum Schluß ein Riß entstand, aus dem der Schlauch dann austrat und platzte. Mit einem alten Stück dünnen Reifens z.B. Rennradbereifung und viel Gummikleber kann man diesen Riß im Notfall noch beheben, so daß man vielleicht noch ein paar hundert Kilometer weit kommt. Dies ist jedoch nur als Übergangslösung zu sehen und wird immer wieder Probleme bereiten.

Die Reifen weisen eine Besonderheit auf, und zwar, daß sie nicht wie herkömmliche modernere Reifen konstruiert sind, sondern an der Kontaktfläche mit der Felge, dort wo die Speichen sitzen, noch einmal umgeschlagen sind, so daß der Schlauch vollständig vom Reifen umschlossen ist. Besonders wenn der Reifen noch recht neu und starr ist, kann das Aufziehen dadurch ziemlich mühselig sein. Auch passen auf die Originalfelgen nur die Originalreifen, so daß man bei längeren Touren Ersatz mit sich führen sollte oder vielleicht den Felgensatz vor der Reise umrüsten sollte, so daß mit herkömmlichen moderneren Reifen gefahren werden kann. Andere Reifen sind max. bis 2,0 Zoll möglich, da die Hinterradstreben nicht mehr Platz zulassen.

Außerhalb der Schweiz ist der Kauf von Originalreifen nicht möglich! Einzige Möglichkeit wäre dann der Postversand. Für meine Tour wäre es besser gewesen, die Felgen schon vor Antritt der Reise gegen heutigen Standard auszutauschen. Auch der Kauf von Schläuchen mit der Ventilart, die zu der Pumpe passen, war in Rußland nicht möglich. Da die Schläuche aufgrund Verschleißes dann mit der Zeit ersetzt werden mußten, konnte ich nur auf Schläuche mit Autoventilen zurückgreifen. Ich versuchte, die Originalpumpe auf die neue Ventilart umzurüsten, jedoch ohne Erfolg, da die Prinzipien zu unterschiedlich sind. Besser wäre es gewesen, gleich vom Beginn an Schläuche mit Autoventilen zu benutzen und eine herkömmliche Radpumpe mitzuführen.

5 Speichen

Mit Originalfelgen sollte man auch genügend Speichen mit sich führen, denn diese sind Schweizer Armeestandard und anderswo nicht erhältlich! Auch dieses Problem umgeht man mit der Umrüstung der Felgen.

Falls ein Speichenbruch am Hinterrad auftritt, und zwar auf der Seite, wo die Trommelbremse sitzt, kann die gebrochene Speiche nur gewechselt werden, wenn die Trommelbremse mit einem Spezialwerkzeug abgenommen wird! Zudem müssen große Kräfte aufgewandt werden, um die Bremse zu öffnen, so daß es sich besser macht, das an der Trommelbremse befestigte Spezialwerkzeug in einen Schraubstock einzuspannen, und dann das Hinterrad zu drehen.

Manche Speichen sind jedoch auch so gebrochen, daß man die gebrochene Speiche nur entfernen muß und eine neue in den noch funktionsfähigen Nippel eindreht. Zur besseren Erläuterung erscheint dazu in Kürze eine Beschreibung mit Fotos.

6 Sattel

Bei einem Platten am Hinterrad muß das Rad „kopfüber“ aufgebockt werden. Die Gefahr besteht, daß man sich dabei den Ledersattel zerkratzt. Dies kann man vermeiden, indem man ein dickeres Buch o.ä. unter diesen schiebt.

Der Sattel sollte vor Regen und direkter Sonneneinstrahlung durch eine Abdeckung geschützt werden. Einmal im Jahr sollte er mit Lederfett leicht von unten eingerieben werden.

Bei großen Menschen sollte die Sattelstütze nach hinten zeigen, was den Fahrkomfort erheblich steigert. In den Zeiten, wo diese Räder hergestellt wurden, wiesen die Menschen eine wesentlich kleinere Körpergröße auf, als heutzutage, und die Stütze war nach vorne ausgerichtet.

Das Vorderrad kann man einfach herausnehmen, indem man das Rad auf die Seite legt.

7 Pedalkappen

Vor allem die Kappen an den Pedalen sollten sehr regelmäßig auf festen Sitz überprüft werden. So verlor ich während der Fahrt zwei dieser Kappen, was nicht das erste Mal war. Auch bei Fahrten mit meinem anderen Schweizer Militärrad trat dieses Problem schon mehrmals auf. Eigenartigerweise war dabei immer nur die Pedalkappe der linken Pedale betroffen.

8 Trommelbremse

Falls die Bremsleistung der Trommelbremse merklich nachlassen sollte, kann man dies beheben, indem man die Innenfläche mit etwas Sandpapier aufrauht. Siehe auch Abschnitt 5.

9 Werkzeug

Das mitgelieferte Werkzeug ist fast ausreichend. Eine Zange z.B. an einem guten Tool kann jedoch sehr hilfreich sein. Die Reifenheber aus Metall tauscht man besser gegen welche aus Plastik aus, um ein Zerkratzen der Felgen zu verhindern.

10 Transport im Flugzeug

Probleme können auftreten, wenn man das Rad im Flugzeug transportieren will, da die meist sehr geringe Gewichtsgrenze fast schon nur durch das Velo mit seinen 23 kg gesprengt wird. Das übrige Gepäck sollte also gut auf Handgepäck oder auf Mitreisende aufgeteilt werden, denn der Transport von Übergewicht kann ins Geld gehen.