Alpencross

Tourtagebuch Alpencross



24.08.99 Dienstag "Der Regentag"

In der Nacht begann es dann zu regnen und in der Frühe goss es dann in Strömen. Das Zelt hielt seiner ersten Belastungsprobe Stand (bis auf ein paar kleine Tropfen im Zeltinneren war alles trocken).
8:15 Uhr klingelte der Wecker, aufgrund des Regens sahen wir uns jedoch gezwungen abzuwarten bis eine Besserung eintritt. Die erste Nacht war ganz OK. Im Zelt herrschten sämtliche Gerüche (Furz, Schweiß u.a.). Zum Frühstück gab es noch leckeren, halbrohen Reis, Schokolade und Haribo. Die Klamotten waren mit Reis beschmiert und ziemlich klamm und feucht. Die Motivation war jetzt schon etwas gedämpfter als wir im strömenden Regen mit feuchten Klamotten das Zelt abbauten, denn wir wollten nicht noch mehr Zeit verlieren.
Um 11:30 Uhr fuhren wir dann endlich los in Richtung Heilbronner Hütte (2308m).

Die ersten 5 Kilometer waren trotz Regen noch angenehm zu fahren und wir waren recht gut unterwegs. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich der Körper solchen hohen Belastungen anpasst. Die nächsten 3 Kilometer gingen ziemlich an die Substanz und da wir kaum etwas ordentliches gefrühstückt hatten, war die Kraft recht schnell zu Ende. Es folgten 3,5 Km nur schieben (und tragen) über große Steine und recht schmale, steile Anstiege vorbei an unzähligen Kuhfladen und Alpenkühen, die dort einfach auf der Wiese standen bzw. lagen. Das einzige was in dieser entlegenen Bergregion von Zivilisation zeugte, waren ein paar Stromasten. Ansonsten trafen wir in den zwei Stunden nur zwei Hirtenjungen, die wir gleich nach dem Weg fragten. Endlich erreichten wir die Heilbronner Hütte, die uns mit einer warmen Gaststube, heißem Tee mit Rum und Bergsteigergetränken erwartete. Schnell wärmten wir uns auf, nutzten das WC und aßen eine Kleinigkeit (Spagetti bzw. Spiegeleier mit Speck). Die nassen Klamotten zogen wir erst einmal aus. Der Wirt erzählte uns vom DAV, bei dem man, wenn man Mitglied ist, für eine Übernachtung nur zahlt (~ 10 DM).
Wir befinden uns zur Zeit auf 2320 m und es herrscht eine Temperatur von ca. 9°C. Auch der Anstieg hat seine Spuren hinterlassen - wir sind verschwitzt, nass, dreckig und stinken nach Kuh. Pünktlich mit Anbeginn des Regens (dieser setzte während der gesamten Mittagspause aus) setzten wir unsere Tour fort. Doch das Wetter konnte nun nicht mehr unser Gemüt trüben. Es folgte einer der geilsten Downhills den die bis zu diesem Zeitpunkt hergab. Über eine sehr lange Schotterpiste ging es mit 45-50 Km/h den Berg hinab und bei immer noch strömendem Regen in die Kurven bzw. Kehren. Man kann dabei schon von einem Downhillrausch sprechen. Man spürte in diesen Momenten weder Kälte, Regen noch Wind sondern nur die wahnsinnig halsbrecherische Geschwindigkeit und das pure Adrenalin. Wir waren uns den ständig herrschenden Gefahren gar nicht mehr so bewusst, denn die Strecke bestand nur aus spitzen Steinen. Die Strecke führte uns bis auf 700 Hm recht flott herab, wir verpassten im Downhillrausch nicht die Schranke [dort ging es nach links (jedoch kaum ersichtlich)], die die Kühe in ihrem Territorium halten sollte. Nun ging es einen recht felsigen Weg bergauf und bergab, hier machte das Fahren aufgrund des Abwechslungsreichtums sehr viel Spaß. Die Downhillpassagen waren jedoch noch nicht beendet, auf asphaltierten Straßen ging es immer weiter hinab ,vorbei an Galtür [man sah nicht mehr viel von der schweren Lawinenkatastrophe Winter 98/99 (die betroffenen Flächen wurden planiert)], bis zu unserem Zielort Ischgl wo wir, wie sollte es an diesem Tag auch anders sein, im Regen klitschnaß ankamen. Vor allem das letzte Stück Straße gab uns noch einmal den Rest, bei Geschwindigkeiten von 40-50 Km/h spritzte das Wasser direkt an das diagonale Hauptunterrohr (sowie von der Kette), von dem aus das Wasser auch gleich in die Schuhe floss. Bei jedem schwereren Tritt spürte man nun sofort das Wasser in den Schuhen "quackern".



In Ischgl angekommen setzten wir sofort alle "Räder" in Bewegung, endlich ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Der erste Anlaufpunkt war die Touristeninformation, wo wir eine Broschüre mit Hotels, Fewos u.ä. in die Hand gedrückt bekamen. Nun musste man schnell aus unzähligen Angeboten das billigste heraussuchen. Dies sollte sich als ein größeres Problem herausstellen, denn überall wo wir anriefen waren entweder Zimmer belegt, oder der Wirt nicht willig ein Zimmer für nur eine Nach zu vermieten. Nach einigen Versuchen fanden wir dann dennoch eine Unterkunft (ca. 1:30-minütiges Bemühen) im Ortskern bei einer sehr netten Wirtin (wir sollten eigentlich nur im äußersten Notfall bei ihr vorbeikommen, da sie zu diesem Zeitpunkt gerade die Handwerker im Haus hatte) die wahrscheinlich unsere letzte Chance war. Auch mit der Unterbringung der Fahrräder sowie dem Trocknen (aufhängen) des Zeltes und der Klamotten gab es keinerlei Probleme. Thomas erhielt noch eine Unterrichtsstunde über Sitten und Gebräuche sowie österreichische Abschiedsgewohnheiten. Die Wirtin gab uns einen Tipp ob man in der Nähe gut und günstig speisen kann und so kehrten wir abends noch (mit Badelatschen) in die Konditorei Salner zu einem zünftigen Bier und einer Menüspeise (Sahnebrokiliesuppe, Schnitzel bzw. Germknödel und Apfelstrudel mit Eis) ein. Der Seniorchef (ein recht aufgeschlossener Herr um die 70 J) gab dann fast jedem im Saal noch einen Obstler aus. Nachdem wir im Wirtshaus noch etwas Zeitung erbettelt hatten (um die Schuhe möglichst schnell zu trocknen), machten wir uns gut gelaunt auf den Heimweg und zu Hause fielen wir sofort tot müde ins Bett. Kurze Beschreibung der Umstände: Ankunft in Ischgl um 16:45. Es war ein sehr schönes Gefühl nach 2 Tagen ständigem Schwitzen und dem Regen mal wieder unter eine warme Dusche zu kommen. Auch unsere Klamotten unterzogen wir gleich einer Wäsche, denn wer wusste schon wann dies das na¨chste mal möglich sein würde.

Daten:
reine Fahrtzeit: 2:41 h
Distanz: 32,8 km
Durchschnitt: 12,2 km/h
Vmax: 66,7 km/h