Alpencross

Tourtagebuch Alpencross



26.08.99 Donnerstag "Der Hungerast"

Die Nacht war ziemlich kühl und wir konnten sehr schlecht einschlafen, wahrscheinlich aufgrund der Lkws die relativ nah an uns vorbeifuhren. Da halfen auch keine Ohropax. Vor dem Einschlafen gab es wieder viel gekicher (Grund konnten wir nicht herausfinden) und mindestens genauso viele Gerüche. Am heutigen Morgen waren wir dann wie "gerädert" wegen des wenigen und sehr unruhigen Schlafes. Das Zelt war erstaunlicherweise sehr nass, da sich im Tal eine riesige Nebelwand gebildet hatte und wir direkt am See lagen. Die Bikelampe (vorn) diente uns hervorragend als Zeltinnenbeleuchtung. Um 10:00 Uhr konnte es losgehen.

Die heutige Etappe ging immer die Strasse entlang über Laatsch, Glurns, Naturns bis Meran. Es ging fast immer bergab, aber durch Gegenwind und Gepäck kamen wir auch hier nur sehr beschwerlich voran. Dadurch, dass wir nur Strasse fuhren kamen wir dennoch recht schnell vorwärts und die 75 km bis Meran, unserem eigentlichen Etappenziel, waren schnell erreicht (ca: 14:00 Uhr mit Pause). Wir beschlossen noch ein paar zusätzliche Kilometer zu absolvieren und mussten uns an der Auffahrt zum Gampenpaß (Gampenjoch) aufgrund von Unkenntnis geschlagen geben. Zum Gampenpaß ging es 17 Km nur bergauf. Es war einfach kein vorankommen mehr. Der HUNGERAST hatte uns in seinen Bann gezogen. Jeder Tritt in die Pedale schmerze höllisch und der Schweiß rann in Strömen (sogar das Mützchen runter). Aller 1-2 Km mussten wir anhalten, verschnaufen und versuchen uns zu regenerieren. Das halfen auch keine Powerbars mehr.



Nach ca. 7 km bergauf - Fahrt waren wir schließlich kurz vor Naraun, wo wir erst einmal Ras machen wollten. Zuvor hatten wir jedoch vergeblich versucht, per Anhalter (Tramper) zum Gipfel zu gelangen. Wir hatten jetzt schon 86 Km in den Beinen und eigentlich könnten wir bis Gfrill weiterfahren. Bis Naraun war es nun nicht mehr weit und an der Tankstelle in diesem kleinen Örtchen machten wir endlich Rast. Der Tankwart dort machte uns das Angebot, dass wir entweder mit dem Bus (der jedoch gerade weg war à der nächste fuhr erst in 2,5 h) oder auf einem Transporter mitfahren könnten (bis hoch zum Gampenjoch). Wir entschieden uns also aufgrund der Erschöpfung dort erst einmal zu verweilen und auf einen Transporter zu warten. Nebenan in einer kleinen Kneipe (na ja oder so etwas ähnlichem) aßen wir ein Eis, da ein belegtes Brot 5 DM kostete.

Nach 2 Stunden vergeblichen Wartens, wollten wir uns gerade wieder auf den anstrengenden Weg machen (Richtung Tessimo) , als endlich ein kleiner LKW zu tanken rollte, der uns zum Glück dann auch mitnahm. Wir gaben den beiden Männern ein Bier aus und die Sache war geritzt, Der Weg zum Gipfel strecke sich trotz Auto noch ganz schön (ganz so steil wie der Anfang war er jedoch nicht mehr) und wir wurden schließlich in dem Ort "Unser Liebe Frau Im Walde" abgesetzt. Dort kauften wir schnell noch ein paar Lebensmittel (Brötchen Spagetti und 12 Knacker) und suchten uns eine Unterkunft (Name: Zum Hirschen). Für den relativ hohen Preis (28.000 Lire ohne Frühstück) war die Einrichtung relativ einfach gehalten. Nachdem wir und in unserem Zimmer Spagetti (mit Tomatenmark, süßem Senf und Knacker) gekocht hatten, gingen wir noch auf ein Bierchen herüber zur Sonne (Konkurrenz) wo wir noch mit einem Pärchen aus Essen (Angela und Jochen) zusammensaßen. Die beiden wollten die gleiche Tour machen wie wir (begannen ebenfalls in Oberstdorf). Das bemerkenswerte war jedoch, dass Angela genau wie ihr Mann, den Gampenpaß bezwungen hat. Und das mit gerade mal 2 Pausen. Nach Bier, Eis und etlichem kostenlosen Salzgebäck war der Abend schon sehr fortgeschritten und in unsrer Unterkunft wieder angekommen schliefen wir sehr schnell ein.

Daten:
reine Fahrtzeit: 3:16h
Distanz: 86,2 km
Durchschnitt: 25,8 km/h

Ps.: Die Grabsteine (Foto) ordnete Jörg irrtümlicherweise als Klappstühle ein. Der Tankwart sagte uns, dass sie (Tiroler) traditionell nicht zu Italiengehören möchten. Die Muttersprache ist hier deutsch und italienisch ist hier nur die Zweitsprache.