Alpencross

Tourtagebuch Alpencross



23.08.99 Montag "Die Tour beginnt"

Nach gediegenem Frühstück und der Bezahlung der Unterkunft (30 DM pP) konnte der Alpencross nun endlich beginnen. Das Auto ließen wir bei unserer Wirtin stehen. Die Betten würde sie sogar bis zu unserer Wiederkehr für uns bezogen lassen, für den Fall, dass wir nach der Tour noch einmal bei ihr schlafen möchten. Sie scheint also nicht sehr viele Gäste in der nächsten Zeit zu erwarten. Nachdem alles verstaut und das Gepäck festgezurrt war, konnte es nun endlich losgehen. In Oberstdorf legten wir noch einen kurzen Zwischenstop bei Andi Heckmaier (Tourenguru, war schon auf Mt. Everest sowie in Tibet) ein, wo Thomas noch einen Schaltzug einbauen und den Steuersatz nachziehen ließ. Ein paar Powerbars noch für die Reise und nach einer halben Stunde waren wir wieder draußen. Ein paar Kleinigkeiten wurden noch gekauft (Zahnbürste und Tee) und es ging endlich um 11:00 Uhr los. Nun gab es kein zurück mehr.
Die Etappe sollte uns über Allgäuer und Lechtaler Alpen führen, hatte eine Distanz von 67 km, 2000 Höhenmetern (Hm) bergauf und 1000 Hm bergab. Zu Beginn erwartete uns gleich eine 15%-ige Steigung, die wir auf Asphalt noch ganz gut bewältigten, aber nachdem es zu Schotter überging, mussten wir doch schon das erste mal schieben, denn wir wollten uns ja nicht gleich zu Anfang verausgaben. Der Schrofenpaß sollte für uns das erste große und gefährliche Hindernis darstellen. Zwei Wanderer fragten, ob wir mit dem Rad über den Schrofenpaß wollten, und sagten darauf, dass dies ganz schön mutig wäre. Der Weg war mit großen Steinen, Schotter und Geröll übersäht, sodass mal wieder schieben bzw. tragen angesagt war. Dann kam noch dazu, dass dieser Pfad gerade mal 20 - 40 cm breit war und dicht am Abgrund, der immerhin dann 300 - 400 Meter tief war, verlief. Ein Fehltritt und es wäre zu Ende gewesen. Wir sind dem Tod geradeso von der Schippe gesprungen.



Der erste Sturz von Thomas war vorprogrammiert, aber außer ein paar Schrammen passierte zum Glück nichts. Und dann war da noch diese Brücke - und wir. Sie war so schmal, dass das Bike hinter sich hergezogen werden musste. Dazu kam, dass die Brücke noch Sprossen hatte, sodass nur ein langsames vorankommen möglich war. In Lech machten wir dann die erste Pause und kauften Baguettes, Äpfel und Apfelsaft ein. Und auch hier sieht man wieder einmal, wie klein die Welt ist. An unserem Tisch saßen Leute aus Miltitz mit denen wir eher zufällig ins Gespräch kamen. Ach tat das gut wieder mal Nachrichten aus der Heimat zu hören. Nach einem nicht enden wollendem Tunnel bergauf, ging es zum Flexenpaß herauf, und die Suppe floss in Strömen herab. Das was man als Apfelschorle zu sich nahm kam sofort aus sämtlichen Schweißporen wieder heraus. Doch es kühlte sich auch mit jedem Meter zunehmend ab.

Die Abfahrt (auf Strasse) sollte jedoch alles wieder wettmachen. An einer Baustelle mussten wir kurz stoppen (Ampel) und dann ging es mit Highspeed 50 - 60 Km/h herab durch einen Tunnel. Allerdings war der Asphalt noch recht frisch und feucht, sodass man immer Angst haben musste beim bremsen vor den Kurven wegzurutschen. Der Anstieg zum Arlbergpaß war noch einmal ziemlich hart und bergab erreichten wir auf der Strasse nach St. Anten Höchstgeschwindigkeiten (Vmax) von 76,5 Km/h (bzw. 344Km/h). Dabei fing das Vorderrad schon seitlich an hin- und herzuschlackern (schlingern). Bis zur Kostanzer Hütte war es nun nicht mehr weit. Es ging durch ein kleines Wäldchen vorbei an einem See und wir mussten nun noch die geeignete Schlafstelle finden.

Direkt neben einem kleinen Bach machten wir ca. 19:30 Uhr halt, bauten das Zelt auf und kochten Reis. Die Temperaturen hier oben (1700 - 1800 m) empfanden wir durch den eisigen Wind als sehr kalt und wir waren beide froh im warmen Zelt zu liegen. Der Reis, den wir uns kochten war nicht sehr schmackhaft (es fehlten ein paar Gewürze), er war nach 30-minütigen kochen immer noch fast roh, wir verfeinerten ihn mit einer Knacker und etwas Gurke aus heimischen Garten. Wie schön wäre jetzt etwas Salz oder Zucker & Zimt gewesen. Wir waren beide so K.O., dass wir nur noch schlafen wollten. Und so legten wir uns nach 8,5 h völlig verschwitzt (stinkend) und dreckig in die Schlafsäcke (die Zähne haben wir uns noch geputzt).

Daten:
reine Fahrzeit 5h21min
Distanz: 67,2 km
Durchschnitt: 12,5 Km/h
Vmax: 76,5 Km/h